Segeln Mecklenburg - Entlang der Havel mit der Motoryacht

Noch einmal helfe ich meiner „Decksmannschaft“, die nur aus meiner Frau besteht, beim Anlegen durch Eindampfen in die Vorspring: Ein kleiner Schub mit Hilfe des Bug- und Heckstrahlrohres – eine wunderbare Einrichtung des Bootes gerade beim Festmachen in und vor den vielen Schleusen – und die „La Bahia“ liegt wieder fest am geschützten Steg von Yachtcharter Werder bei der Vulkanwerft. 14 ereignisreiche Tage liegen hinter uns.


Von hier sind wir nach einer freundlichen Einweisung in die Möglichkeiten der Motoryacht
aufgebrochen, zusammen mit unserem Sohn und dessen Familie auf der „La Vida 2“, zu einem Traumtörn, der uns bis Neustrelitz führte.
Das Stauen unseres umfangreichen Gepäcks – wir wollten zwar nicht auswandern, aber für alle Wetterunbilden und Besichtigungen gerüstet sein und genügend Köstlichkeiten gebunkert haben, um nicht größere Schleppaktionen von Getränken und Lebensmitteln in den Häfen auf uns nehmen zu müssen – hatte auf der für zwei Personen äußerst großzügigen „La Bahia“ keinerlei Probleme geboten.

Nachdem wir nach 6 km die erste grüne Tonne im Schwielowsee auf der falschen Seite gerundet hatten – ein Blick in die „NV Sportschifffahrtskarte Binnen 1 Berlin & Märkische Gewässer“, die an Bord vorhanden war, die wir aber bei der Vorbereitung unserer Ferien schon ausführlich studiert hatten, lehrte uns, dass sie uns nicht vor einer Untiefe bewahren, sondern bei der Ansteuerung auf Caputh helfen sollte – sollte uns das nicht noch ein zweites Mal passieren.

Durch den Templiner See, an Potsdam vorbei, unter der berüchtigten Glienicker Brücke hindurch, auf der zu Zeiten des Kalten Krieges enttarnte Spione zwischen den Machtblöcken ausgetauscht worden waren, ging es in den Großen Wannsee.
Hinter Kälberwerder suchten wir Schutz vor dem Nordwestwind, ankerten erstmals und machten einen ausgiebigen Badestopp im warmen Wasser. An diesem Tag kamen wir noch bis in den Niederneuendorfer See, wo uns ein sehr hilfsbereiter Hafenmeister am Anleger Hotel Dannenberg erschreckliche Geschichten aus der Zeit erzählte, in der eine Bojenreihe im See eine unmenschliche Grenze markierte. Vorher hatten wir allerdings das Abenteuer unserer ersten Schleusung in Spandau zu bestehen. Wir hatten Glück und konnten gleich einfahren. Bug- und Heckstrahlrohr waren sehr hilfreich.

Am nächsten Tag ging’s in die Havel-Oder-Wasserstraße.

Wer sich hier eine langweilige Kanalstrecke vorstellt, irrt gründlich. Obwohl Bundeswasserstraße, wo einem über 100 m lange Schubverbände begegnen, gibt einem der Uferbewuchs bereits einen Vorgeschmack, auf das, was weiter oben in der Havel zu erwarten ist, eine Wasserlandschaft, die einer den deutschen Amazonas nannte.
Bei km 40,5 ging’s dann links ab in den Malzer und Vosskanal. Ausgiebig besichtigten wir den Ziegeleipark Mildenberg, machten eine Nacht im äußerst gepflegten Yachthafen gleichen Namens fest und ankerten eine andere im Prerauer Stich, der seine Existenz den gewaltigen Ziegeleien verdankt, die Baumaterial zum Bau von Berlin und sogar Hamburg zu Beginn des 20. Jahrhunderts lieferten. Was war das doch für eine harte Arbeit!


Unglaublich schön und geruhsam war dann die Fahrt durch die obere Havel zwischen Burgwall und Bredereiche.
Nur 4 Schleusen erinnerten uns daran, dass wir auf einer Bundeswasserstraße fuhren und nicht durch Schlossteiche mit Seerosenfeldern, Schilf gesäumte Sumpfgebiete und Eichen bestandene Waldtäler glitten. Der bestens gewartete Schiffsdiesel forderte von uns nur gelegentlich eine Kontrolle des Wasserfilters, in dem sich hin und wieder ein paar Blätter und Stängel verfangen hatten.
Der Stolpsee begrüßte uns in der Mecklenburger Kleinseenplatte. Im Restaurant des Yachtclub Fürstenberg genossen wir nach diesem Tag ein vorzügliches Abendessen mit Blick auf „unsere Yacht“. Herz, was willst Du mehr!


Weiter ging’s dann durch die marode Fürstenberger Schleuse (unsere 9. auf dieser Reise) bis Priepert und durch viele Seen – Wer zählt die Zahl, wer kennt die Namen? – bis nach Neustrelitz. Zuletzt wurde es ein wenig eng: Das Cabrio-Verdeck musste abgebaut werden und im Zierker See tendierte die Tiefenanzeige gegen Null.
Der neu ausgebaute Stadthafen von Neustrelitz bot Luxus pur, sogar ein Wägelchen für Einkäufe im wunderschön restaurierten Städtchen wurde angeboten. Schade nur, dass irgendein Idiot 1945 in den letzten Kriegstagen das Neustrelitzer Schloss angezündet hat. Doch wir konnten seinen Bau erahnen, war doch für die Sommerfestspiele eine potemkinsche Kulisse aufgebaut.

Nun wollten wir aber doch noch ein richtiges Schloss sehen, das Rheinsberger Schloss, das wir nach einer Zwischenübernachtung in der „Theatermarina“ Wolfsbruch erreichten. Inzwischen hatten wir mit 16 Schleusen Erfahrung gesammelt. Das Schloss und der Park von Rheinsberg sind wirklich eine Reise wert. Das wissen auch viele und deswegen empfiehlt es sich nicht zu spät am Tag und schon gar nicht am Wochenende in Rheinsberg festzumachen. Eine vorzügliche Audioführung – unverständlicherweise mit Fotografierverbot im Schloss – lehrte uns Baiern manches über Friedrich den Großen und seine Brüder Heinrich und Ferdinand. Am Obelisken im Park las ich dann den Namen eines Vorfahren eines Münchner Kollegen. Bayern und Preußen sind doch nicht so weit auseinander, wenn wir auch selbst von Werder bis Rheinsberg allein 212 Streckenkilometer auf dem Wasser zurückgelegt hatten.

Heimwärts war’s dann ein wenig kürzer ohne den Abstecher nach Neustrelitz, dafür fuhren wir noch 3 km in das verwunschene Templiner Wasser in den Großen Kuhwallsee zu einem Badestopp. Dieses Mal ging das Schleusen nicht immer so problemlos. Irgendetwas hatte halb Berlin aufs Wasser getrieben. War es die nahende Leichtathletikweltmeisterschaft? Ich weiß es nicht. Jedenfalls warteten wir vor der Schleuse Strasen stundenlang, zuerst kreuzend im Pälitzsee und dann an unangenehmen, weil halb versenkten Spundwänden. Doch jetzt waren wir mit der „La Bahia“ schon so vertraut, dass wir sie auch bei Wind allein mit der Maschine und dem Ruder auf der Stelle halten konnten. Heck- und Bugstrahlrohr hatten wir ja noch in der Hinterhand! Vor der Schleuse Lehnitz im Havel-Oder-Kanal mussten wir sogar im Päckchen warten. Doch wir hatten Glück, ein 70 m langer polnischer Schubverband ließ nicht genug Platz für einen zweiten, aber genug für viele Sportboote.

Die Durchquerung des Großen Wannsees am Sonntagnachmittag war dann ein Schachspiel der nautischen Vorfahrtsregeln. Zweimal musste ich zur Notlösung des Aufstoppens greifen. Durch den Caputhsee, auf dem Albert Einstein das Segeln gelernt hatte, ging’s zu einem letzten Badestopp in den Schwielowsee vor Petzow. Hier meinte ein wild gewordener Raser so nahe an uns vorbei fahren zu müssen, dass er selbst die 8 Tonnen der „La Bahia“ in so heftiges Schwanken versetzte, dass im Sanitärraum die Saughaken von den Wänden fielen. Das war der einzige Schaden, den wir Herrn Stolp bei der Rückgabe zu melden hatten nach über 400 km, 60 Stunden Motorlaufzeit und sage und schreibe 28 Schleusungen. Sonst hatten wir nur für ausgezeichneten Service zu danken.

Motorboote, Hausboote und preiswert Segelyachten chartern . Yachtcharter kleinere Boote , größere Charterboote kann man aberüberall auch führerscheinfrei mieten.